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MARKO MARKOVIĆ: IRON WATERFALL

MARKO MARKOVIĆ: IRON WATERFALL

kuratiert von Marcello Farabegoli

22. Juni – 29. Juli  &  6. September – 28. Oktober 2022
Sammlung Friedrichshof Stadtraum

In Anlehnung an den höchst aktuellen Begriff des Iron Curtains hat Marko Marković für diese Einzelausstellung die titelgebende Skulptur Iron Waterfall geschaffen. Dieses Werk von imponierender Größe wird installativ im Hauptraum der Sammlung Friedrichshof Stadtraum mit zwei weiteren politischen und sozialkritischen Arbeiten kombiniert, mit denen es im dialektischen Zusammenhang steht. Darüber hinaus sind einige von Marko Markovićs bekanntesten Performances auf Video zu sehen, darunter auch in Wien noch nicht gezeigte.

Marko Marković wurde 1983 in Osijek, der viertgrößten Stadt Kroatiens geboren. Osijek liegt in der historischen Region Slawoniens und gilt als Kornkammer der Nation. Die Auseinandersetzung mit den dennoch schwierigen bzw. ärmlichen Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung bildet ein Leitmotiv in Markovićs Arbeiten. Auch die Erfahrung der Jugoslawienkriege (1991 bis 2001, in Kroatien bis 1995) sowie der Nachkriegszeit haben Marković als Mensch und Künstler stark geprägt. Seine Kunst ist heute aktueller denn je. Dazu passen die ausgeprägten aktionistisch-performativen Züge seiner künstlerischen Praxis, ausgezeichnet im Kontext der Ausstellungstätigkeit der Sammlung Friedrichshof.

Marković genoss eine klassische Ausbildung. Er studierte unter anderem Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Split, doch schon als Kind, so der Künstler, brachte ihm sein Großvater das Malen bei. Er ließ ihn ein ganzes Jahr lang einen Apfel immer wieder von Neuem zeichnen. Diese intensive und repetitive Beschäftigung schärfte schon in der Kindheit die Beobachtungsgabe und Konzentrationsfähigkeit des Künstlers. Seine Wurzeln als Zeichner und Maler beeinflussten die später ausgeprägte feine Ästhetik seiner vielfältigen Ausdrucksformen, seien es spezielle Inszenierungen von Performances, Zeichnung, Fotografie, Video/Film, Skulptur (auch Ready-Mades) und Installationen bis hin zu Musikprojekten wie etwa mit dem Musikerkollektiv „Ausländer“. Markovićs Werke schöpfen stets Inspiration und Kraft aus seinen eigenen Lebenserfahrungen sowohl aus der Vergangenheit als auch Gegenwart, aber auch vom kollektiven Bewusstsein. Dabei lehnt er plakative Aussagen ab und bevorzugt Fragestellungen anstelle von eindeutigen Antworten. Seine Kunstwerke haben immer auch etwas Rätselhaftes bzw. nicht eindeutig Interpretierbares an sich.

Iron Waterfall (2022)
Wie bereits oben erwähnt, knüpft die Idee an den Begriff des Iron Curtains, des Eisernen Vorhangs, an. Die ursprüngliche Bedeutung ist eine solide bauliche Brandschutzeinrichtung in Versammlungsstätten, die das Bühnenhaus vom Zuschauerraum trennt. Der Begriff wurde aber bereits im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg verwendet und etablierte sich dann als die ideologische und physische Grenze2, die Europa nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Wende 1989 in der Zeit des Kalten Krieges zwischen der in Richtung Washington orientierten, westlichen und der in Richtung Moskau orientierten, östlichen Welt trennte. Zwischen zwei Weltmächten also, die das Schicksal der gesamten Menschheit in der Vergangenheit wie auch heute beeinflussen.
Jugoslawien war nach dem sog. Tito-Stalin-Bruch 1948 eigentlich kein Ostblockstaat mehr. Es war das einzige sozialistische Land, dessen Staatsbürger visafrei nach Westeuropa, Nordamerika sowie in andere Teile der Welt reisen konnten und umgekehrt.
Marko Marković spricht in diesem Zusammenhang von einer „Zwischenposition“ seines Landes, die er mittels Iron Waterfall verdeutlichen möchte. Er führt auf konzeptueller Ebene die Idee des Wasserfalls ein. Durch das Element des Flüssigen und der ständigen Bewegung zeigt er metaphorisch die konstante Veränderung des Eisernen Vorhangs im Laufe der Zeit: Er ist entstanden, gefallen, schien verschwunden und tritt doch heutzutage wieder ans Licht.
Die Plastik bzw. Skulptur Iron Waterfall besteht aus mehreren Tausenden eisernen Blättchen3, die Marković in performativer Haltung Stück für Stück in beweglichen Strängen aneinandergehängt hat. Handelt es sich dabei um kleine Schilder, die uns wie eine eiserne Haut beschützen oder eher um Rasierklingenähnliche Bombensplitter, die im Krieg auf uns niederhageln und verletzen? Betrachtet man sie näher, so fallen die sichelförmigen Enden, die sich ineinander beweglich verankern und die Form von Hakenkreuzen andeuten. Auch verweist der Künstler auf die Assoziation zu Mäander der griechischen Antike, die die Ursprünge der westlichen, eurozentristischen Kultur symbolisieren.
Der vermeintliche Vorhang trennt aber an sich nichts, sondern hängt monumental an der hohen Wand der Sammlung Friedrichshof Stadtraum, die Dank des Gewölbes eine sakrale Atmosphäre dem Kunstwerk verleiht. Man könnte also meinen, die unzähligen Blättchen würden wie ein Wasserfall von einem Hang hinunterfließen.
Gerade diese Ambivalenz des Kunstwerks zwischen Statik und Beweglichkeit, Härte und Weichheit, Schwere und Leichtigkeit, Trennung und Durchlässigkeit widerspiegelt ein zentrales Element von Markovićs Kunst und Persönlichkeit. Mit Iron Waterfall reflektiert der Künstler im Allgemeinen über Machtverhältnisse und speziell über die ambivalenten „Zwischenpositionen” mächtiger Gesellschaften. Dabei geht es auch um Marković selbst und seine eigene ambivalente Stellung zwischen dem Osten und dem Westen, eine fortwährende, immanente und brennende Identitätsfrage. Er stammt aus Südosteuropa, seine Reisen führten ihn von einem System zum anderen während eines Großteils seines Lebens. Aktuell ist sein Lebensmittelpunkt in Wien.

Stone Flower (2016)
Marko Marković stellte das Kunstwerk erstmals auf der Architekturbiennale in Venedig 2016 aus und behandelt damit ein historisches Trauma seines Heimatlandes. Die Ustascha war ein kroatischer ultranationalistisch-terroristischer Geheimbund, der sich zu einer faschistischen Bewegung während des Zweiten Weltkriegs entwickelte. Sie errichtete im kroatischen Slawonien, der Heimat Markovićs, ein Vernichtungslager, das als „Auschwitz des Balkans“ gilt. Bis 1945 wurden Zehntausende Serben, Juden, Roma und Antifaschisten dort eingesperrt und hingerichtet. Ende der fünfziger Jahre entwarf der berühmte jugoslawische Architekt und Bildhauer Bogdan Bogdanović an jener Stelle (Jasenovac) eine Gedenkstätte für die KZ-Opfer im modernistischen Stil und stellte diese bis 1966 fertig. Eine vierundzwanzig Meter hohe „Blume“ aus Spannbeton sowie darunter eine kleine Krypta, in der sich bei Regen Wasserlachen bilden, soll an die Opfer erinnern. Marko Marković formte ein stark verkleinertes und relativ grobes Model des Stone Flower aus Ton und goss anschließend das Negativ in Zement. Reste des Tons sind im Hohlraum der Skulptur noch zu finden. Auch bei diesem Kunstwerk spielt Ambivalenz eine wichtige Rolle: zwischen Härte und Weichheit, Schwere und Leichtigkeit, und auch Innen- und Außenraum.
Marković entschied sich für ein negatives Abbild, um symbolisch die Umgebung des Gedenkmonuments, den Ort der Gräueltaten hervorzuheben und sich damit bewusst abzuwenden von der „monumentalen Kultur” Kroatiens der Nachkriegszeit, denn die Bedeutung dieser Strömung bzw. das mit ihr verbundene Narrativ ändert sich je nach herrschendem politischem System. So wurden in den 90er Jahren mehrere dieser Monumente in Kroatien zerstört.

Oblivion (2022)
Auf der Papierarbeit Oblivion, die Iron Waterfall diametral gegenüberliegt, erkennt man bei näherer Betrachtung zarte Spuren, die der Künstler ins Papier geritzt hat (von vorne? von hinten?). Sie erinnern an Wasser- oder Blutadern, oder auch an Bronchien, Pflanzen und an feine Risse (Craquelé) auf Gemälden.
Marko Marković lässt zwar jegliche Interpretationen zu, aber es drängt sich das Bild von etwas Flüssigem, von Wasser4 auf. Einerseits herrscht eine Spannung zwischen Oblivion und Iron Waterfall, andererseits bedeutet das Wort Oblivion „Vergessen“, so wie Lethe, der Fluss des Vergessens aus der griechischen Mythologie. In diesem Zusammenhang mag auch das “pantha rhei” (alles fließt) Heraklits und seine Flusslehre einfallen, die trotz aller Interpretationsschwierigkeiten auf das Prinzip der Prozessualität der Welt hindeutet: Das Sein sei nicht statisch, sondern in ewiger Veränderung. Bemerkenswert ist, dass gerade Heraklit auch folgender Satz zugeschrieben wird: „Krieg ist Vater von allen, König von allen. Die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.“5 Es soll auf die Interpretation dieses Satzes nicht weiter eingegangen werden, die enge Verbindung jedoch, die Heraklit zwischen Veränderung und Krieg herstellt, lässt staunen.
Marko Marković bringt seine Arbeit auch mit Illusion und Lüge in Verbindung, denn beim ersten Anblick erscheint die Papierarbeit wie ein großes, unbeschriebenes, weißes Blatt. Möglicherweise möchte er andeuten, dass durch das Vergessen die Begebenheiten der Vergangenheit manipuliert werden können. Vielleicht geht es gar um Narrative von Großmächten, die insbesondere im Krieg stark instrumentalisiert werden. Auch hier sind Ambivalenzen im Spiel, sodass eine eindeutige Interpretation gar nicht möglich und nicht einmal erwünscht ist.

Performancekunst bildet das Herzstück von Marko Markovićs Schaffen. In einem überaus interessanten Interview6 mit Srđan Sandić aus dem Jahre 2016 sagt der Künstler übersetzt ins Deutsche: „Performance ist ein sehr schwieriges und komplexes Medium, viele Leute verstehen sie nicht, selbst Performancekünstler*innen haben Mühe, sie zu verstehen. Also erforschen sie, hinterfragen, testen und üben sie Performances, sie schlafen nicht und brechen sich den Hals. Für mich persönlich ist es ein ewiges Rennen um etwas, das unerreichbar scheint wie eine ideale Idee oder Vision, die man einfängt, die einem davonfliegt und man ihr immer wieder hinterherjagen muss. Meine Recherchen und Experimente in Sachen Performance begannen aus reiner Neugier, so dass ich im Laufe der Zeit verschiedene Arten von Performance durchlief […]“

Marko Marković interessiert sich für Transformationsprozesse zwischen dem Individuum und der Gesellschaft, bei denen er insbesondere die Beziehung von Unter- und Überlegenheit sowie von Macht und Ohnmacht hinterfragt. Dabei spielen für ihn soziales bzw. kollektives Engagement und Rebellion eine wichtige Rolle. Wesen, die aus ihrer natürlich Umgebung vertrieben wurden und nun in der Fremde unter extremen Lebensbedingungen zusammenleben, verbindet eine gemeinsame Erfahrung und ihr Überlebensinstinkt. Wenn Unrecht passiert, ist es die Pflicht einer demokratischen Gesellschaft zu reagieren und einzugreifen. In dieser Hinsicht kann Kunst eine gute „Waffe“ sein, so der Künstler.
Als künstlerischer Forscher befasst sich Marko Marković insbesondere mit der Beziehung zwischen Performer und Publikum, wobei das Publikum selbst zum Performer im Raum des sozialen Netzwerks werden kann. Markovićs Kunst ist beeinflusst durch das Streben, an verschiedenen Orten gleichzeitig zu existieren, in Parallelwelten sozusagen. Sie verschmelzen miteinander im Raum soziopolitischer Beziehungen, vager Intimitäten und versteckter, unsichtbarer Unaufrichtigkeiten. In der Mischung dieser Welten verändert sich die Wahrnehmung und Erfahrung dessen, was Identität ist oder werden kann.
Dabei verwandelt Marković auch alltägliche Handlungen in Performance, um dadurch unsere Realität zu verzerren. Unter dem Einfluss eines inneren Zerstörungsdrangs dekonstruiert er das Verhältnis zum Körper als Subjekt und lotet die physischen wie psychischen Grenzen seiner selbst sowie die Grenzen dessen aus, was dem Publikum zumutbar ist. Nicht zuletzt arbeitet er mit dem Begriff „erweiterter Körper“ innerhalb der uns heute verfügbaren Technologie. Er setzt extrem radikale Exzesse ein, die unter gewissen Aspekten an jene des Wiener Aktionismus erinnern, aber darüber hinausgehen. Es geht bei Marković auch dezidiert um Provokation, um mediale Resonanz zu erlangen, politisch wirksam zu werden und dadurch seinen Protestaktionen mehr Gewicht zu verleihen.

Im oberen Raum des Stadtraums werden Videoaufnahmen folgender drei Performances gezeigt:

Work Saves (2010)
In dieser Performance steckt sich Marko Marković Broschen an die nackte Brust. Es handelt sich um Broschen mit Logos kroatischer Unternehmen, darunter auch sehr bedeutender, die in Konkurs gegangen sind. Mit dieser Performance, die der Künstler an diversen Orten in Split (öffentlicher Raum, Galerien, Festivals usw.) durchführte, erregte er gezielt Aufmerksamkeit, um gegen die Missstände seines Landes zu protestieren.

Sharpening (2012)
Es handelt sich um eine Performance im Finanzdistrikt von New York City, in der Marko Marković mitten auf dem Gehsteig zwei große Küchenmesser gegeneinander schleift. Vor dem Auftritt beantragte der Künstler bei der Städtischen Polizeibehörde die Erlaubnis zum Tragen von Messern in der sogenannten Wall Street Security Zone. Aufgrund von früheren Protesten der Occupy-Wall-Street-Bewegung war in der von Polizeibarrikaden umzingelten Schutzzone sogar das Stehenbleiben von Fußgängern strengstens verboten. Dank seiner Performance hörte die Waffe gewissermaßen auf, eine Waffe zu sein, und verwandelte sich zum Instrument eines künstlerischen Akts. Dennoch versuchte das Sicherheitspersonal einiger umliegenden Banken und Versicherungen, die rechtmäßige Aktion vergeblich zu stoppen. Ein Polizist teilte dem Künstler auch mit: „Passen Sie auf, was Sie tun, denn ich habe echte Kugeln in der Waffe und behalte Sie im Blick“.
In diesem Fall stellt zwar Marko Marković nichts direkt mit seinem Körper an, aber er bringt ihn dennoch in Gefahr. Dabei stellt er das Sicherheitssystem eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt auf die Probe. Trotz der konzentrierten und ernsten Miene, die er während seiner Performance aufzieht, könnte man meinen, dass er sich lustig über seine Umgebung macht – jedenfalls hat die Szene auch etwas Slapstickartiges an sich und entlockt manchem Betrachter ein Schmunzeln. Doch es geht auch hier um Protest. Eine symbolisch-bedrohliche Geste, die vielleicht als Warnung der korrupten Finanzwelt gelten darf.

Selfeater / Injury at the work (2014)
Die Serie von Body-Art-Performances Selfeater, in der Marković sein eigenes Blut und Fleischgewebe konsumierte, entstand zwischen 2008 und 2009. Extreme Body-Art-Techniken testen die Konzentration und die Ausdauer des Künstlers, sie ergründen die Möglichkeiten des eigenen Körpers und gehen schlussendlich bis an die Grenzen des physisch sowie geistig Machbaren. Es handelte sich auch in diesem Fall um Protestreaktionen auf die damalige gesellschaftliche Situation in Markovićs Heimatland. Die Reaktionen waren stürmisch, mit unterschiedlichen Meinungen von positiv bis negativ.
Bemerkenswert ist auch, dass Dank dieser Performances und einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit von Suzana Marjanis am Institut für Ethnologie und Volkskunde Zagreb die Terminologie des Autokannibalismus untermauert wurde. Somit ist Markovićs Arbeit als relevanter Beitrag im Bereich der kroatischen Performance-Szene dokumentiert.
In der Performance Selfeater/Injury at the work, die Marković 2014 im MMSU – Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst Rijeka darbot, fügte sich der Künstler Bisswunden zu. Anschließend ging er ins Krankenhaus und versuchte vergeblich die Wunden als Arbeitsunfall geltend zu machen, um gegebenenfalls Sozialleistungen dafür zu bekommen. Mit diesem Sonderfall wollte Marković das kroatische Gesundheits- und Sozialsystem auf die Probe stellen und die prekäre Stellung von Künstler*innen umso deutlicher machen.

Southeast sadness in Central Europe (2021)
Im kleineren Nebenraum im Erdgeschoss des Stadtraums präsentiert Marko Marković das Video einer seiner aktuellsten Performances mit dem Titel Southeast sadness in Central Europe. Es handelt sich um eine Projekt, das der Künstler viele Jahre lang weiterentwickelte und 2021 in seiner Heimatstadt Osijek zu seinem Höhepunkt brachte: in einer theatralisch sowie ästhetisch-dekorativ inszenierten Umgebung verspeist Marković duftende Blumen. Dabei beginnt ihm bald der Speichel gemischt mit dem roten, Blut ähnelnden Blumensaft aus dem Mund zu rinnen. Die Aufnahme giftiger Blumenenzyme verursacht allmählich Brechreiz, sodass sich sowohl der Gesichtsausdruck als auch die gesamte Körperhaltung des Künstlers dramatisch verändert. Gegen Ende der Performance gibt er gutturale Laute von sich. Dabei interessieren Marko Marković primär die Reaktionen, die er durch seine Performance beim Betrachter als „empathische Resonanz“8 verursacht, insbesondere im letzten Teil der Performance, in dem er Anfälle bekommt, sich zu übergeben.
Blumen werden gemein als etwas Schönes empfunden. Genauer genommen handelt es sich in diesem Fall um gezüchtete Exemplare, die als tote, teilweise künstliche Ware für den Verkauf bestimmt sind und für Marković als Symbol für Machtmanifestation stehen. Die Aktion kann also auch so interpretiert werden, dass der Konsum artifizieller Schönheit, die in unserem kapitalistischen System reichlich angeboten wird, tödlich sein kann. Nicht zuletzt dienen die starken Bilder sowie verstörenden Laute dem Künstler abermals als Mittel, gegen die Ungerechtigkeiten in seinem Land zu protestieren.

Ein vom Kurator der Ausstellung moderierter Talk im Oktober zwischen Marko Marković und der Kunsthistorikerin Eva Badura-Triska wird einige der besprochenen Aspekte vertiefen. Eva Badura-Triska war von 1979 bis 2019 Kuratorin am mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Einer der Schwerpunkte ihrer Forschungen ist der Wiener Aktionismus.

Marcello Farabegoli
Kurator Sammlung Friedrichshof


Biografisches:

Marko Marković absolvierte Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Split und den pädagogischen Teil an der Universität Zadar. Darüber hinaus hat er einen Masterabschluss in Kunst & Wissenschaft von der Universität für angewandte Kunst Wien und arbeitete später in derselben Abteilung als Programmkoordinator für die Europäische Kulturhauptstadt Rijeka 2020. Er war Gastdozent an der UDK Berlin, am IZK/Institut für zeitgenössische Kunst Graz, an der Academy of Ars Zagreb und an der Universität für angewandte Kunst Wien sowie unabhängiger Kurator in Zusammenarbeit mit dem MMSU – Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Rijeka und dem mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien.

Als unabhängiger Kurator und künstlerischer Produzent konzentriert sich Marko Marković auf den kulturellen Austausch mit Bildungsplattformen im Bereich der Performance-Kunst im Rahmen des internationalen Performance-Festivals DOPUST/Days of Open Performance von 2008 bis 2018 (Kroatien, USA und Österreich). Im Jahr 2011 wurde er mit dem YVAA/Young Visual Artist Award ausgezeichnet. Er arbeitete in der Kunst- und Filmproduktion als Projektkoordinator des Studios von Matthew Barney in New York (2012-2014). Marković hat insbesondere eine Einzelausstellung im MMSU – Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst in Rijeka (2014), seine Arbeiten auf der 15. Internationalen Architekturausstellung – La Biennale di Venezia (2016), auf der Internationalen Biennale Moskau (2016) und bei der Biennale Sessions Giardini – La Biennale di Venezia (2019) präsentiert.