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11 Okt SAMUEL SCHAAB

ZIRKULATIONEN
11.10.2014–26.04.2015

Luft ist allgegenwärtig, man entgeht ihr nicht, man durchgeht sie vielmehr.
Sie gerät unter Druck, folgt dem steten Bestreben nach Gleichverteilung der Teilchen im Raum.
Sie steigt und fällt und nimmt dabei Fahrt auf.
Es entsteht Wind, dieser aktiviert die Oberfläche, was auch immer ihm begegnet, über Jahrhunderte oder Sekunden.
Im Moment des Aufeinandertreffens zeigt er sich als Schwingung, dem eigentümlichen Wanken eines Wipfels, als riesige Staubwolke oder Wolkenformation.
Eine permanente Reibung entwickelt sich, von kaum merklich bis zur massiven Verformung.
Diese Reibung klingt flüchtig, undefiniert, flächig, ein komplexes Rauschen.
Das Meer rollt im Sturm, Gebäude bilden resonierende Klangkorridore, Bäume rauschen , der Wind sucht sich Wege, jedes Hindernis ist ein Instrument auf seiner grossen Bahn.
Doch wenn er auf keine Materie mehr trifft, nicht einmal Staub, hört er dann auf Wind zu sein?

Gleich einem Generator wird Luft in einer Röhre beschleunigt, um in die Leere der Räume vorzudringen, diese zu füllen und auszuloten.
Der Wind korrespondiert mit dem Gebäude, tastet rauschend Wände ab, hallt wider, verlagert sich, kreist.
Die ewige Zirkulation einer unveränderlichen Grundmasse an Luft in ihrem Austausch mit der Welt ist Wind.

Samuel Schaab

Photos © Sofia Goscinski