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08 Mai ION GRIGORESCU

Horse / Men Market
08.05.–25.09.2011

Grigorescu besetzt eine der bedeutendsten Positionen in der rumänischen Kunst der letzten Jahrzehnte. Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Magda Radu bezeichnet ihn als einen Künstler, „der seine moralische Integrität während der dunkelsten Periode Rumäniens unter Ceausescu und der turbulenten Folgezeit nach der Revolution von 1989 bewahren konnte und dessen Schaffen und vor allem auch ethische Haltung eine bemerkenswerte Kontinuität aufweist.“ Der 1945 in Bukarest geborene Künstler gehört somit zu jenen großen Künstlerpersönlichkeiten aus dem ehemaligen Ostblock, dessen Werk, wie jenes von Kabakov, Monastyrskij, Knizak oder dem Serben Todosijevic nach den politischen Umwälzung um 1990 auch im Westen wahrgenommen wurde und Wirkung entfalten konnte.

Grigorescu ist kein politischer Künstler der auf den extrem repressiven Kommunismus des rumänischen Diktators durch aktivistischen Protest reagierte. Vielmehr hatte er sich konsequent jeder Annäherung an die offiziell anerkannte Kunst seines Landes verweigert. Er lebte im Untergrund und reflektiert bis heute in seinen mittels Film und Fotografie dokumentierten Körperaktionen die auch nach der rumänischen Revolution und dem Zusammenbruch des Ceausescu-Systems vorherrschende Unterdrückungsdynamik seiner unmittelbaren Lebensrealität.

Mit seinem Werk ist er authentischer Chronist einer von Zusammenbruch und Zerfall gezeichneten Gesellschaft. Die in seiner Kunst entwickelte Bildsprache – in den Filmdokumenten Grigorescus gibt es keinen Anfang und kein Ende, keine narrativen Abläufe – vermittelt den Zustand einer subjektivistischen Entfremdung. Die Filmkamera ist dabei eine aufmerksame und distanzierte Begleiterin auf den Spaziergängen des Künstlers und hält, mit peripherem, gleichwohl aufwühlendem Blick eine zerrüttete Wirklichkeit fest.

Die in der SAMMLUNG FRIEDRICHSHOF gezeigte Arbeit mit dem Titel Horse / Men Market vermittelt diese Inhalte in Form einer multimedialen Rauminstallation.

Ion Grigorescu vertritt Rumänien auf der kommenden 54. Biennale di Venecia.

Photos © Ion Grigorescu, Sammlung Friedrichshof